Kommendes:

4.Juni

Kein Gott, kein Herr!

Von der zweiteiligen Dokumentation „Kein Gott, kein Herr! Eine Geschichte der Anarchie“, wollen wir uns diesmal mit euch den 1. Teil anschauen.

Regie: Tancrède Ramonet

Der Anarchismus ist das natürliche Kind der Aufklärung, die Anerkennung des Individuums,
Herr seiner selbst zu sein. Der Anarchismus ist die Antwort auf die dunklen Seiten des
Kapitalismus und wurde im Schatten der großen industriellen und landwirtschaftlichen
Ausbeutung geboren. Der Anarchismus stellt die Frage nach der Moral des Menschseins,
die ein Leben ohne Staat, Geld und Grenzen auf Grundlage von Freiheit, Vernunft,
Gleichheit idealisiert.

Ausschließlich auf Archiv Dokumente wie Wochenschauen, Fotos, Zeitungen und Schriften
gestützt, erzählt Tancrède Ramonet von der anarchistischen Bewegung: Von ihre Anfängen
bis zum Vorabend des ersten Weltkriegs, und über die aufregenden Jahre bis zum II. Weltkrieg.
Eine Zeitreise von Proudhon über die mexikanische Revolution bis zu Durruti im spanischen
Bürgerkrieg. Das historische Fresko reicht von Russland und Japan über Spanien in die USA,
bis nach Frankreich, Argentinien, Israel und Ägypten. Eine reich bebilderte Aufbereitung
der Geschichte der Anarchie von Proudhon über Bakunin bis in die Gegenwart.

15:00 veganer Kuchen+Cafe // 16:00 Beginn Filmvorführung

 

Doppel-Veranstaltung:

I. Teil: Lust an der Zerstörung (1840 – 1914) im A-Cafe

II. Teil: Erinnerung der Besiegten (1911-1945) am 21.Juni im A-Kino (Gastfeldstraße 104)

2.Juli

Leben ohne Geld und Staat … und warum das noch lange nicht reicht!

 

Vergangen:

7.Mai

Dessert – Tief in unserem Herzen wissen wir alle, dass die Welt nicht

`gerettet` werden wird.

Kann aktive Desillusionierung befreiend sein? Vorstellung+Diskussion zu Standpunkten und Kontroversen des Buches

Die Hoffnung auf das große Happy End verletzt Leute – sie bereitet den Weg für den Schmerz, den sie spüren, wenn sie desillusioniert werden.

Mal ehrlich, wer von uns glaubt wirklich daran? Wie viele sind an dem Aufwand, den fundamental religiösen Glauben an eine positive Transformation dieser Welt mit der uns umgebenden Lebensrealität in Einklang zu bringen, zerbrochen?

Desillusioniert zu sein – in Bezug auf die Weltrevolution / auf unsere Möglichkeit, den Klimawandel zu stoppen – sollte jedoch nicht dazu führen, dass wir unsere anarchistische Überzeugung ändern oder unsere Liebe zur Natur aufgeben. Es gibt immer noch viele Möglichkeiten auf wilde Freiheit.

Weltweit sterben mehr Menschen durch Selbstmord als durch Kriege oder zwischenmenschliche Gewalt¹ …

Unsere Leben können schöner, freier und wilder als das alles hier sein, und als Anarchist*innen geben wir unser Bestes, sie auch dazu zu machen – und das nicht in einem auf ewig verschobenen postrevolutionären Himmel, sondern heute.
Falsche Einheit mit autoritären sozialen Kräften schwächt uns nur.

Wie sehen einige dieser Möglichkeiten aus und wie können wir sie leben?

Nach einer Vorstellung des Buches, wollen wir den Versuch wagen mit dir/euch in den Austausch über anarchistische Handlungsoptionen zu kommen, welche uns die Gegenwart anbietet.

¹ J.Phillips, Trauma, Repair and Recovery (Oxford University Press, 2008, S.5)

15:00 veganer Kuchen+Cafe // 16:00 Beginn Lesung/Vorstellung


Buchbeschreibung bei Black Mosquito: https://black-mosquito.org/lesen/desert-9068.html

2.April

Plötzlich reden alle über G20 – Diskussion ausgehend von aktuellen Texten

Gipfelproteste waren seit Seattle 1999 ein Katalysator des radikalen Widerstands, Individuen und Gruppen kamen zusammen, tauschten sich aus, standen gemeinsam hinter Barrikaden und trugen[bestenfalls] die Flamme des Widerstands in ihre Regionen zurück. Dann kam die Kritik vom Eventhopping und die Sektlaune einiger Bewegungsmanager*innen …

Wenn der G20 im Juli 2017 nach Hamburg kommt, sehen wir keinen Erfolg in einer Mobilisierung, die viele Menschen auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner versammelt und von der am Ende wenig mehr bleibt als simple Botschaften. Ohne radikale Antworten lassen sich die zentralen politischen Fragen der Gegenwart nicht lösen, der Klimawandel nicht stoppen, Armut und Grenzen nicht abschaffen.

Wir hingegen rufen zu einer Kampagne im Vorfeld auf – gegen jede Form von Herrschaft.
Wir sehen uns nicht als mahnende Stimme im Wettbewerb des kapitalistischen Elends, sondern als Teil derjenigen, die es hier nicht mehr aushalten wollen, die eine verordnete Alternativlosigkeit der kapitalistischen Verhältnisse nicht akzeptieren. Wir wollen eine andere Form gesellschaftlichen Zusammenlebens. Wir suchen dabei nicht den kleinsten gemeinsamen Nenner oder den Kompromiss, sondern Brüche und Experimente für eine Welt, in der viele Welten möglich sind.

(kleine Collage aus den folgenden Texten)

Für Differenzkultur und radikale Antworten gegen den Wettbewerb der Elendsverwaltung

Im Flugblatt der Kampagne „Flora bleibt unverträglich“ wird angesichts des G20-Gipfels für eine unverstellte Fortsetzung der eigenen Praxis geworben. Diese soll auch radikale Antworten auf die integrierten Bestandteile des Kapitalismus, wie z.B. ökonomische Neuordnung, Kriege, Umweltkatastrophen, heterosexistische Männergewalt, Antisemitismus enthalten. Im Laufe des Textes werden viele Widrigkeiten benannt. Statt auf Gesellschaftsfähigkeit, auf Elendsverwaltung und auf ordentliche Proteste zu setzen, empfiehlt die Kampagne den Protesten eine politische Bestimmung, Brüche, Differenzen, Streitkultur und Antifaschismus.

Da der Gipfel in der Innenstadt abgehalten wird, reflektiert sie deren dichten, überraschenden Charakter, in der schon Kämpfe um Gefahrengebiete, Großprojekte und Rassismus ausgefochten wurden. Trotz eines Bezuges auf ein linkes Protestspektrum seien dort keine allgemeingültigen Regeln aufzustellen.

Der politischen Scheindebatte um Protektionismus und Globalisierung, der Spezialisierung auf Staatsoberhäupter oder den Schulterschluss des „kleinen Mannes“ setzt das Flugblatt die antikapitalistische Perspektive, eine Gegenrealität der Autonomie der Migration, der Aneignungskämpfe, der Revolte und ein anderes Zusammenleben entgegen, das die Gesellschaft radikalisieren soll.

Link: http://florableibt.blogsport.de/2016/12/01/schluss-mit-dem-konsens/

Anarchistischer Aufruf gegen das G – 20 Treffen in Hamburg

Der kürzere anarchistische Aufruf lässt in der Beschreibung der Herrschenden weniger Vorsicht walten, weil er zugleich generelle Alternativen wie Selbstbestimmung und horizontale Organisierung benennt.
Die Wut der Straße und die Paranoia der Herrschenden wird als befreiendes Moment wahrgenommen. Der erfahrenen und analysierten Herrschaft, wie der patriarchalen über die Frauen, der Arbeit über die eigene Zeit, des Geldes über das Sozialverhalten, der Festung Europa, wird offen der Kampf an gesagt. Der Aufruf zielt denn auch auf deren sofortige Zerstörung, schon vor dem Gipfel.
Eine nüchterne Betrachtung der Gipfelproteste der letzten Zeit hilft den Anarchist_innen gegen leerlaufende Vereinnahmungsversuche und verdrehte Aktionskonsense zu argumentieren. Zugleich wird aber über die An- und Abwesenheit der Anarchie in Protesten eine theoretische Debatte angeregt.

Link: https://linksunten.indymedia.org/en/node/188436

 15Uhr Beginn mit veganem Kuchen und Kaffee
16Uhr Anfang Diskussion

 

5.Februar

The Free Voice of Labor: The Jewish Anarchists

Der Dokumentarfilm ‚Free Voice of Labor‘ geht der Geschichte der interessanten Phasen der Arbeiter_innenbewegung in Amerika nach. Ausgehend von Interviews mit einer Gruppe Zeitzeug_innen um die 87 Jahre lang in Jiddisch erschienenen anarchistischen Zeitung Freie Arbeiter Stimme erfährt mensch von der Einwanderungswelle, Jiddischer Kultur, den Konjunkturen der Ausbeutung bis zurück in die 1920er und mit dem Eintritt der USA in den 1. Weltkrieg 1917 auch vom Niedergang der Bewegung.

USA, 1980, 60 minutes, Untertitel in deutscher Sprache
Directed by Steven Fischler and Joel Sucher

15 Uhr veganes Cafe mit Kuchen
16 Uhr beginnt der Film

 

4.Dezember

Bis alle frei sind! …

Diesmal wird im A-Café der Spielfilm „EIN ZUM TODE VERURTEILTER IST ENTFLOHEN / UN CONDAMNÉ À MORT S’EST ÉCHAPPÉ OU LE VENT SOUFFLE OÙ IL VEUT“ (Frankreich 1956 von Robert Bresson gezeigt.

Damit wollen wir im Dezember unser Augenmerk, auf die Welt des Eingesperrt seins richten:

Im letzten Moment vor seiner Hinrichtung gelingt André Devigny (Francois Letterier), einem Mitglied der Resistance, die Flucht aus einem Gefängnis der Gestapo.
Realistisches, packendes Meisterwerk von Bresson, der bei seinem, auf einer wahren Geschichte beruhenden Film, gänzlich auf professionelle Akteure verzichtete.

B: Robert Bresson, André Devigny (Memoiren) K: Léonce-Henri Burel
D: François Leterrier, Charles Le Clainche, Maurice Beerblock, Roland Monod, Jacques Ertaud, Jean Paul Delhumeau, Roger Treherne, Jean Philippe Delamarre, César Gattegno, Jacques Oerlemans, Klaus Detlef Grevenhorst, Leonhard Schmidt

SchwarzWeis 99 min. im Original mit deutschen Untertiteln

 15Uhr Beginn mit veganem Kuchen und Kaffee
16Uhr Anfang Film

 

6.November

Obdachlosenhass und Sozialdarwinismus

Vortrag mit Lucius Teidelbaum

Obdachlose sind die vergessenen Opfer der Gesellschaft. Sie werden von Staat und Gesellschaft ausgegrenzt und auf der Straße angegriffen. Rechte TäterInnen praktizieren gegen obdachlose Menschen einen Sozialdarwinismus der Tat, der durch einen Sozialdarwinismus des Wortes vorbereitet wird.

»Wer Menschen nur nach ihrem ökonomischen Nutzwert beurteilt, hat seine Menschlichkeit an der Kasse abgegeben. Im Sozialdarwinismus treffen sich die Neoliberalen und zusätzlich die extremen Rechten. … das vorliegende Buch … sollte gelesen werden.« (Monika Jarosch, aep informationen 1/2014)

Die MörderInnen eines Obdachlosen 2000 in Ahlbeck waren der Meinung, »Asoziale und Landstreicher hätten im schönen Ahbeck nichts zu suchen«. Die MörderInnen eines Obdachlosen in Greifswald gaben an, ihre Opfer angegriffen zu haben, weil »so einer … dem deutschen Steuerzahler auf der Tasche liegt«. Offenbar besteht ein Zusammenhang zwischen der Gewalt gegen Obdachlose bzw. sozial Marginalisierte und dem gesellschaftlichen Klima der (kapitalistischen) Verwertbarkeit der Menschen. Das brutale Ergebnis sind nach unterschiedlichen Statistiken weit über 100 ermordete Obdachlose seit 1990.

Lucius Teidelbaum stellt in einem Buch diese Gewalt in ihren unterschiedlichen Erscheinungsformen dar, analysiert und benennt die Ursachen.”

 15Uhr Beginn mit veganem Kuchen und Kaffee
16Uhr Anfang Vortrag

 

 7. August

Lesecafe: Anarchie & Subversion

Offene Lesemöglichkeit + Diskussion mit Info- und Büchertisch

Im August widmet sich das A-Cafè dem Thema Anarchie und Subversion. Euch erwartet ein Lesecafè, mit einem großen Info- und Büchertisch und wie immer Kaffee mit veganem Kuchen.

Diesmal möchten wir Dich/Euch dazu eingeladen deine/eure Lieblingstexte, -broschüren und -bücher zu Anarchie und Subversion mitzubringen und die Passagen die euch bewegen, den anderen Besucher*innen vorzutragen.
Dabei sei an Anarchie im Sinne einer nicht durch Zwang auferlegten Ordnung gedacht. Welche Freiheit bedeutet: den Prozess uns selbst und unsere Beziehungen zueinander immer wieder neu zu erfinden. Alle sind zu kompletter Selbstbestimmung berechtigt. Kein Gesetz, keine Regierung und kein Entscheidungsverfahren sind wichtiger als die Bedürfnisse und Wünsche des einzelnen Menschen.
Als Subversion soll ein nie abgeschlossenes, emanzipatorisches Handeln verstanden sein, welches die Zerstörung von Herrschaft anstrebt und sich damit gegen jede institutionalisierte Macht richtet.

Gestaltet mit uns einen Raum, für unangepasste, freie Gedanken und eine Möglichkeit sich beim austauschen vielleicht auch mit neuen Ideen anstecken zu lassen oder diese weiter zu spinnen …

15Uhr Beginn mit veganem Kuchen und Kaffee
16Uhr Anfang

5.Juni 2016

Anarchismus heute ?!

Vortrag und Diskussion zu einigen aktuellen Vorstellungen

Wenn Anarchismus für einige attraktiv ist, weil er kompromisslos oder voraussetzungslos auftritt, fehlt für andere oft der Nachweis, für die heutigen Gesellschaften „anwendbar“ zu sein. Zumindest einige Hinweise auf die Relevanz des Anarchismus können gegeben werden, ausgehend von heutigen Aktionsfeldern und aktueller Theorie.

Die Beteiligung von Anarchist_innen an Protesten gegen Krisenpolitik, im Widerstand gegen ‚Großprojekte‘ und an der Selbstsorge auf einem gesellschaftlichem Level ist hier und da zu sehen. Werden in diesem Feldern die „Methoden“ des Anarchismus wie direkte Aktion, gegenseitige Hilfe und freie Vereinbarung angewandt, sollten sie Freiheit oder die Möglichkeiten der Befreiung verheißen oder die Konjunkturschwankungen solcher Bewegungen überstehen können. So besteht gegebenenfalls bis zum nächsten großen Aufbegehren eine Grundlage, die eine Verbreitung von Herrschaftskritik und Alternativen erleichtert.

An Orten und in Perioden ohne Soziale Bewegungen (wie unter den großmächtigen Staaten im „Westen“ und nach dem „Mauerfall“) war eine anarchistische Theorie gefordert: sich zu „globalisieren“, katastrophale Trends zu berücksichtigen und wiedermal den sozialrevolutionären Horizont von den untertänigen Massen abzusetzen. Diese und weitere Strömungen des Anarchismus haben verschiedene Antworten, manche verweigern die Aussage. Sie erklären sich vor allem aus ihren Aktionsfeldern. Die diskutierbaren Ansätze sollen im Vortrag beschrieben und theoretisch interpretiert werden, um in der Diskussion eine Aneignung zu ermöglichen.

15Uhr Beginn mit veganem Kuchen und Kaffee
16Uhr Anfang Vortrag

 

3. April 2016

Mujeres Libres – Anarchafeminismus in der spanischen Revolution

Lesung und Diskussion mit Vera Bianchi

Die Gruppe „Mujeres Libres“ (Freie Frauen) wurde im April 1936, also drei Monate vor Beginn des Spanischen Bürgerkriegs, gegründet.
Wie viele spätere Mitglieder der Gruppe waren die Gründerinnen in der anarchistischen Bewegung aktiv gewesen, dann aber durch den dort herrschenden Sexismus enttäuscht worden. Deshalb kamen sie zu der Überzeugung, dass es zumindest temporär notwendig sei, sich in einer Frauengruppe zu organisieren.

Mit der Gruppe verfolgten sie zwei Ziele: „captación“ – Frauen für die anarchistische Bewegung zu begeistern und zu gewinnen – und „capacitación“ – die Befähigung (Bildung und Ausbildung) der Frauen. Dadurch sollten die Frauen wirtschaftlich unabhängig werden – als Grundlage für die geistige Emanzipation.
Nach den Mujeres Libres befand sich die Frau in einer dreifachen Sklaverei: als Arbeiterin, als Hausfrau und Mutter und als Unwissende.

Während des Spanischen Bürgerkriegs (18.7.1936-1.4.1939) wuchs die Gruppe auf ungefähr 20.000 Mitglieder in über 160 Ortsgruppen an und unterstützte die republikanische Seite auf vielfältige Weise: sowohl als Kämpferinnen an der Front als auch im Hinterland durch Organisierung von Bildungs- und Ausbildungskursen, Kindergärten und Volksspeiseräumen. Die Mujeres Libres hielten die soziale Revolution nur für machbar durch die Verbindung von Anarchismus und Feminismus.

 

 

6. März 2016

Wohnhaft – Wohnen als Technologie der Normalisierung

Vortrag und Diskussion mit Jürgen Mümken

  „Wenn der ökonomische Aufstieg des Abendlandes auf die Verfahren zurückzuführen ist, welche die Akkumulation des Kapitals ermöglicht haben, so kann man vielleicht sagen, daß die Methoden zur Bewältigung der Akkumulation von Menschen die politische Überholung der traditionellen, rituellen, kostspieligen, gewaltsamen Machtformen ermöglicht haben, die alsbald obsolet wurden und von einer verfeinerten und kalkulierten Technologie der Unterwerfung/Subjektivierung abgelöst wurden. Die beiden Prozesse, Akkumulation der Menschen und Akkumulation des Kapitals, können indes nicht getrennt werden; das Problem der Anhäufung der Menschen wäre nicht zu lösen gewesen, ohne das Anwachsen eines Produktionsapparates, der diese Menschen sowohl erhalten wie nutzbar gemacht hat; umgekehrt wird die Bewegung der Kapitalakkumulation von den Techniken beschleunigt, welche die angehäufte Vielfalt der Menschen nutzen. Insbesondere waren die technologischen Veränderungen des Produktionsapparats, die Arbeitsteilung und die Ausarbeitung von Disziplinarprozeduren sehr eng miteinander verflochten“ (Michel Foucault, Überwachen und Strafen).

Wohnen, Wohnungsbau und Wohnungspolitik sind eine politische Technologie zur Akkumulation der Menschen. Es geht hier zum einen um das „Problem der Anhäufung von Menschen“ und zum anderen darum aus Individuen produktive Subjekte zumachen. Wohnen, Wohnungsbau und Wohnungspolitik wurden zu Instrumenten der Disziplinierung von Individuen und der Regulierung und Normalisierung der Bevölkerung.
Am Beispiel der Hygienisierung der Wohnung soll dies Disziplinierung, Regulierung und Normalisierung von Individuen aufgezeigt werden. Die Hygiene scheint hierfür besonders geeignet, da sie sich — wie die Sexualität — in der privilegierten Position zwischen Individuen und Bevölkerung, zwischen dem Körper und den globalen Phänomen angesiedelt ist. In den Jahren 1880 bis 1930 entstand der Typ „Sozialwoh-nung“, die den „Sozialen Wohnungsbau“ bis in die heutige Zeit prägt.
Die „68er-Bewegung“ in den westlichen Industriestaaten ist in diesem Kontext als eine kulturrevolutionäre Bewegung gegen die disziplinierende Normalisierungsgesellschaft zu betrachten. Viele waren auf der Suche nach neuen Lebensformen. Doch stellen diese neuen Wohnformen wirklich ein Angriff auf das „Normalwohnen“ dar, oder sind sie in den 1990ern nur eine Wohnform unter anderen, die die Ordnung der Gesellschaft weder gefährden noch in Frage stellen. Und welche Funktion hat die Wohnung im Kapitalismus 4.0 und im Zeitalter des Internet der Dinge. Wird aus dem disziplinarischen Wohnen ein kontrollgesellschaftliches?

15Uhr Beginn mit veganem(teilweise glutenfreiem) Kuchen und Kaffee
16Uhr Anfang Vortrag

 

7. Februar 2016

Anarchafeminismus – Eine gute Verbindung

Ein Vortrag von Friederike Pfaff mit historischen und aktuellen Bezügen – im A-Cafè

In den 1970er Jahren wurde der Begriff des Anarchafeminismus durch Vertreterinnen des radikalen Feminismus in den USA geprägt. Was bedeutet diese Verbindung von Anarchismus und Feminismus? Und wo finden wir in Theorie und Praxis anarchistischer und feministischer Bewegungen der Vergangenheit und Gegenwart Bezüge zum Anarchafeminismus?

Diese und weitere Fragen soll der Vortrag von Friederike Pfaff klären.

Im Anschluss besteht die Möglichkeit zu weitergehenden Diskussion.

15Uhr Beginn mit veganem(teilweise glutenfreiem) Kuchen und Kaffee
16Uhr Anfang Vortrag